Es bleiben mehr Fragen als Antworten
Hildesheim,
18. November 2008
Zum “Montagsgespräch” mit Herrn Knoch vom 27. Oktober im Café Atempause in Munster
Sehr geehrte Damen und Herren,
in der oben genannten Diskussionsveranstaltung kam es zu keiner Klärung der Verbindung oder Loslösung Herrn Knochs und dessen Geschäftspartner zur bzw. von der neonazistischen Szene. Vielmehr haben sich die Zweifel und Fragen verstärkt. Nach wie vor pflegen Knoch und seine Geschäftspartner Kontakte zu Personen aus neonazistischen Organisationen und deren Umfeld:
Hannes Franke (Geschäftspartner von Knoch) kennt Mirko Appelt (Chef der neonazistischen Gruppe „Selbstschutz Deutschland“), Marcel Ulrich (Geschäftspartner von Knoch) trägt eine Mütze mit einem neonazistischen Symbol, (vgl. Hildesheimer Allgemeine Zeitung v. 29.10.2008)
Knoch selbst kennt Personen aus der neonazistischen Szene Neumünsters.
Knoch hat kein Problem mit Personen, die den Holocaust leugnen, obwohl er sich ja von der Szene gelöst haben will….(Weser-Kurier v. 30.10.2008)
Angeblich lehnt Herr Knoch Gewalt inzwischen ab: Wieso veranstaltet er dann aber paramilitärische Trainings?
Knochs Distanzierungen scheint dem Bündnis gegen Rechts Hildesheim nicht auf einer ernsthaften selbstkritischen Auseinandersetzung zu beruhen, die seiner Vergangenheit gerecht würde. Das Netzwerk Blood & Honour, in dem auch Knoch aktiv war, hat über Jahre extrem rassistisches, neonazistisch Denken verbreitet, es hat zu Gewalt und Hass gegenüber Minderheiten aufgerufen und die Opfer solcher Schandtaten verhöhnt. Knoch war dabei kein distanzierter Sympathisant, sondern er hat am Aufbau von rechtsextremen Organisationen aktiv mitgewirkt. Wer – wie es Knoch vorgibt – den menschenverachtenden Gehalt seines eigenen rechtsextremen Denkens und Handelns erkannt haben will, würde aus Sicht des Bündnisses gegen Rechts vor seinem eigenen Gewissen nicht umhin kommen, die naheliegenden Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehörte dann z.B. das eigene rechtsextreme Engagement der Vergangenheit als persönlichen Fehler zu benennen, klar an der Seite der Opfer zu stehen und im Umgang mit Rechtsextremen die kritische Auseinandersetzung zu suchen. Nichts davon bei Knoch: Er hat erst nach der öffentlichen Bekanntmachung rechte Symbolik aus der Außendarstellung seiner Läden entfernt, er hat kein Problem mit der Einstellung seiner Bekannten und Freunde, seine Aktivitäten sind weiter auf die Einübung von Gewalttaten ausgerichtet und seine Distanzierungen beschränkt sich auf formelhafte Zugeständnisse. Eine innere Einsicht in die negativen Folgen rechtsextremen Engagements kann das Bündnis gegen Rechts bei Knoch nicht erkennen.
Regina Stolte fasst zusammen: “Selbst wenn Herr Knoch nicht mehr in neonazistischen Organisationen aktiv sein sollte, so bewegt er sich offensichtlich problemlos weiterhin in dieser Szene. Von Personen, die vorgeben, sich aus rechtsextremen Strukturen persönlich und politisch gelöst zu haben, erwarten wir klarere Aussagen, die einen inhaltlichen und persönlichen Bruch mit der Szene aufzeigen und eine Auseinandersetzung mit der dazugehörenden menschenverachtenden Denkweise öffentlich nachvollziehbar machen. Knochs Stellungnahmen lassen nicht darauf schließen, sie erscheinen uns als taktische Manöver, um die Umsätze seiner Läden zu sichern.”
Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung
Mit freundlichen Grüßen,
Regina Stolte [Bündnis gegen Rechts Hildesheim]