Der rechte Rand im Wahlkreis Hildesheim
Seit den Nazi-Aufmärschen vom Februar & Oktober 2007 dürfte vielen Menschen klar geworden sein, dass auch in Hildesheim rechtsextremes Gedankengut vertreten ist und es offenbar Personen & Gruppen gibt, die sich unter diesem Nenner politisch organisieren. In diesem Artikel werden Personen aus dem rechten Spektrum vorgestellt, die bei der Landtagswahl am 27. Januar 2008 im Wahlkreis Hildesheim antreten. Relevante NPD-Parteistrukturen existieren in Hildesheim nicht. Bedeutender für die extreme Rechte sind die sich von Parteien abgrenzenden sog. „Freien Kameradschaften/Freien Nationalisten“ und die -wie sie sich selbst nennen- „Autonomen Nationalisten“. Allerdings haben diese Gruppen, zu denen die Hildesheimer Bürgerinitiative für Zivilcourage (BfZ) zu zählen ist, zur Unterstützung der NPD bei der Wahl aufgerufen. Auf der Wahlkampf-Veranstaltung der NPD vom 15. September 2007 in Hannover hat u. a. Dieter Riefling als Vertreter „Freier Nationalisten“ geredet. Trotz kaum vorhandener NPD-Strukturen Hildesheim kandidiert aufgrund dieser Zusammenarbeit Riefling für die NPD zur Landtagswahl im Wahlkreis. Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Riefling ist eine zentrale Person der regionalen Nazi-Szene. Er leitete in den 80ern die lokale FAP-Gruppe und gründete nach deren Verbot mehrere Kameradschaften. Er bezeichnet sich selbst als „Freier Nationalist“, tritt bundesweit auf Nazi-Aufmärschen als Redner auf und gilt als einer der führenden Köpfe der Neonazi-Szene. Für Flugblätter der BfZ zeichnete er regelmäßig verantwortlich .Für die Nazi-Demos von Februar und Oktober in Hildesheim war er über ein Postfach in Duingen als Kontaktperson zu erreichen. Das selbe Postfach nutzt inzwischen die Nazi-Gruppe „Aktivisten Leinebergland“ aus der Region Alfeld. Heiko Ebbenga tritt als unabhängiger Bewerber im Wahlkreis Hildesheim an. Er war bereits bei der Bundestagswahl 2005 Kandidat, im Wahlkreis Holzminden für die NPD. Anfang 2007 trat er aus NPD aus. Zu einer öffentlich nachvollziehbaren Abkehr und politischen Reflektion seiner rechten Positionen kam es allerdings bisher nicht. Folgerichtig flog er mit zwei Begleitern am 6. November bei einer Veranstaltung über Nazis der IG-Metall Alfeld raus. In Hildesheim sorgte Ebbenga für Schlagzeilen, weil er in der Innenstadt ein Nachhilfe-Büro betrieb: Es wurde befürchtet, dass er politischen Einluss auf Nachhilfe-Schüler_innen ausübt. Inzwischen betreibt er dieses Büro in der Peiner Straße / Nordstadt. Wolfgang Pantzier tritt als weiterer unabhängiger Kandidat im Wahlkreis Hildesheim an. Einigen wird er evtl. noch als etwas skurriler parteiloser Kandidat bei der Oberbürgermeister-Wahl in Hildesheim im Gedächtnis sein. Allerdings hat auch Pantzier eine Vergangenheit im rechtsextremen Parteienspektrum: 2001 war er für die Republikaner im Hildesheimer Stadtrat. Im April 2000 besuchte er eine DVU-Veranstaltung in Hamburg. Festzuhalten bleibt, dass (Neo-)Nazis und ihrem Gedankengut in all ihren Erscheinungsformen (nicht nur bei Wahlen) entschieden entgegenzutreten ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Parteien, Tattoo-Shops, sich bürgerlich tarnende Gruppen, (Neo-)Nazi-Kader, Einzelpersonen oder Kameradschaften handelt.