Monatsarchiv für April 2007

„Neonazis im Griff“?

Am 24.2.07 fand in Hildesheim eine Nazidemo statt. Es gab im Vorfeld viele Veranstaltungen (Vorträge, Infostände & -Veranstaltungen, Open-Air-Konzert), am 24. selbst eine Mahnwache und eine antifaschistische Demo mit 4000 Menschen unterschiedlichster Gruppen.
Im Verlauf der Nazidemo wurden antisemitische und volksverhetzende Parolen wie z. B. „Nie wieder Israel“ gerufen; am Hindenburgplatz wurde ein Pressevertreter von Nazis bedrängt und an der Arbeit gehindert -es kam zu einem Polizeieinsatz.
Im Anschluss der Nazi-Demo kam es zu weiteren Bedrohungen, Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen. So z. B. vor dem Nazi-Tattoo-Shop ‘Last Resort’ in der Schuhstraße.Im Internetportal Indymedia wird berichtet, dass „Nazis mit Baseballschlägern“ aus dem Shop kamen, als einige Personen daran vorbei liefen. Der Polizeipressesprecher gibt an, dass „Vermummte“ vor dem Laden (auf der anderen Straßenseite) aufgetaucht sind und Personen aus dem Tattoo-Shop herauskamen. Ein Punk wurde von Nazis verprügelt, im Anschluss wurde das Schaufenster durch Steinwürfe beschädigt. Im Shop gab es laut Pressesprecher einen Leichtverletzten, den Inhaber. Wer die Auseinandersetzung begonnen habe, sei unklar.

Offiziell distanziert sich der Shop von einem Bezug zur Nazi-Szene auf der Homepage: „(…) Im Zuge der Gegendemo wurde unser Tattoostudio attakiert und als Naziladen beschimpft. Weder ist unser Tattoostudio ein Naziladen noch hat irgendein Mitglied unserer Crew mit Nazis zu tun. Wir distanzieren uns von jeglichem politischen Extrem! (…)“
Bleibt die Frage, warum sie sich solche Schläger als Schutzgruppe organisieren. BesucherInnen haben doch eher selten Baseballkeulen dabei (siehe Bild).

Dabei ist der Shop nicht unbekannt. Auf der Homepage sind u. a. Tattoos mit rechter Symbolik zu finden und im Zusammenhang mit verbotenen Nazi-Strukturen (Blood & Honour) schrieb das Antifaschistische Infoblatt im Sommer 2006, dass „das von Hannes Knoch geführte Studio [...] im April 2002 zu den durchsuchten Objekten bei den bundesweiten Razzien wegen der Weiterführung von B&H [gehörte].“ Weiterhin hat das Studio am 4.9.05 eine ‘Fightnight’ in Hildesheim mitveranstaltet auf der zahlreiche (bundesweit bekannte) Nazis anwesend waren, sogar als Kämpfer, die mit rechter Musik einliefen, wie Augenzeugen berichteten.
Auffällig sind die Parallelen im Vorgehen der Nazis bei einer Antifa-Demo in Wismar im August 2006: Dort standen 5 Nazis vor ihrem Laden, zogen sich Lederhandschuhe an, nahmen sich Baseball-Keulen aus dem Eingangsbereich und wollten vorbeiziehende DemonstrantInnen angreifen: Sie konnten von der Polizei nur mit vorgehaltenen Waffen gestoppt werden. Das Video sorgte für großes Aufsehen.
In der Nacht wurden in dem Geschäft „Amei’s Buchecke“ zwei (Schau-)Fenster eingeworfen. Eines thematisierte den Nationalsozialismus.
Auf all diese Vorfälle wurde in den lokalen Medien bisher kaum oder gar nicht eingegangen. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an.

Samstag, 21 April 2007 um 07:21. Kategorie: Allgemein