Monatsarchiv für Oktober 2006

Nazis nur im Osten?

Nach Sachsen ist die NPD auch in den Landtag Meck-Pomms eingezogen. Das ist in Niedersachsen zwar nicht der Fall, die Problematik beginnt allerdings nicht erst ab der 5%-Hürde: Niedersachsen liegt in der Statistik über rechte Gewalt auf Platz 6. Die Polizei macht dafür rechtsradikale Zentren wie den ‘Heisenhof’ bei Verden verantwortlich. Um Hildesheim herum sei es in den vergangen Jahren hingegen eher ruhiger geworden.
Andere Quellen kommen hingegen zu differenzierteren Einschätzungen. Selbst dem Nds. Innenministerium zufolge hatten Hildesheimer Nazis im Norddeutschen Raum in der seit 2001 verbotenen Organisation ‘Blood & Honour’ (B&H) Schlüsselfunktionen inne.
Eine Schlüsselfigur ist der Hildesheimer Nazi Dieter Riefling. In Bezug auf B&H schreibt er in einer Erklärung zur ‘ehemaligen’ Organisation zwar im ersten Absatz in der Vergangenheitsform. Im weiteren Verlauf nimmt er allerdings im Präsens Stellung zurheutigen Selbsteinschätzung -“Für eine Organisation, die nach offizieller Lehrmeinung seit 5 Jahren aufgehört hat zu existieren, erscheinen die alten Netzwerke quicklebendig.“ (Der Rechte Rand Nr. 101). Darüber hinaus nimmt er regelmäßig an bundesweiten Aufmärschen als Redner teil und organisiert Rechtsrock-Konzerte.
Kürzlich tauchte eine (vermutl. B&H-Nachfolge-)Organisation auf, die sich ‘Honour & Pride’ nennt und auch im Raum Hildesheim und Braunschweig bereits an Konzerten und weiteren Aktivitäten beteiligt war. Im Dezember 2005 wurde in Hildesheim ein rechtes Konzert von der Polizei aufgelöst.
Solchen Veranstaltungen kommt in der rechten Szene eine große Bedeutung zu, da sie ihre Strukturen ausbauen und neue Mitglieder rekrutieren können. Insbesondere Jugendliche werden so an die rechtsextreme Subkultur herangeführt. Bspw. haben Nazis im Juli 2006 bei Hamburg ein Fußballturnier veranstaltet, an dem die im aktuellen Verfassungsschutzbericht erwähnte Nazi-Tarn-’Bürgerinitiative für Zivilcourage’ (BfZ) aus Hildesheim teilnahm. Auf Flyern der BfZ zeichnete in der Vergangenheit neben Riefling auch der bundesweite Nazi-Führungskader Christian Worch presserechtlich verantwortlich. Nach dem Vorbild der BfZ Hildesheim wurden mittlerweile ‘Bürgerinitiativen’ in Celle, Schaumburg und Wolfsburg aufgebaut.
Im Zusammenhang mit den verbotenen Strukturen von B&H muss für Hildesheim der Tattoo-Laden ‘Last-Resort’ genannt werden: Das Antifaschistische Infoblatt schrieb im Sommer 2006, dass „das von Hannes Knoch geführte Studio [...] im April 2002 zu den durchsuchten Objekten bei den bundesweiten Razzien wegen der Weiterführung von B&H [gehörte].“ Auf der Homepage sind in der Galerie u.a. Tattoos mit rechter Symbolik zu finden. Ein weiterer Ort, an dem rechter Lifestyle in Hildesheim salonfähig gemacht wird und ein weiterer Beweis, dass der Kampf gegen Neonazis nicht erst nach rechten Wahlerfolgen beginnen darf.

Keine Erwähnung finden in diesem Bericht aus Platzgründen rechte Übergriffe, (Internet-) Versände und sog. „Mischszenen“

Freitag, 13 Oktober 2006 um 08:03. Kategorie: Allgemein